Archiv für April 2009

Sie können es einfach nicht lassen…

die jenaer studentenzeitung „unique“ hat es mal wieder geschafft mich sprachlos zu machen…
nichts ahnend setzt mensch sich in eine stinklangweilige vorlesung, nimmt sich wohl eine der schlechtesten studentenzeitung überhaupt und entdeckt einen artikel, bei dem mensch einfach nur kotzen könnte. aber anders hätte es ja auch nicht sein können. bereits vor mehreren wochen stand die unique im fokus, aufgrund eines unreflektierenden interviews mit einem stadtbekannten nazi. mit dem neuesten artikel haben sie sich nun wohl ganz ins aus geschossen…

hier der artikel

jena.antifa.net

Niemals vergessen

Unsere Kinder haben uns am 16.4.2009 sehr stolz gemacht

Denk mal drüber nach, was du deinen Eltern damit antust…

von http://www.lahnix.de/blog/

Die wichtigste Information während eines Telefonates am 16.4.2009 hörte sich in etwa so an:

“Die gute Nachricht: Euern Kindern geht es gut.” Die schlechte Nachricht: “Sie wurden von der Polizei festgenommen und keiner weiß, wo sie sind. Die Polizei muß euch aber als Eltern über die Festnahme informieren!”

Die Devise: Ruhig und locker bleiben! Selbst wenn man sich mit der Liebsten gerade auf einem Kurztrip 20 Meter vor der Ostsee befindet und der minderjährige Nachwuchs zu Hause in Erfurt geblieben ist.

Was ist geschehen? Unsere minderjährigen Kinder (15 und 16 Jahre) haben am 16.4.2009 an einer friedlichen Sitzblockade vor dem besetzten Haus in Erfurt teilgenommen. Die Sitzblockade wurde aufgelöst, die Kinder sind gegen 7Uhr in Zellen mit den Maßen “0,5Meter x 0,5Meter” pro Person gesteckt wurden, die sich in einen Gefangenentransporter befanden und laut Gedächtnisprotokoll unserer Kinder durch eine Klimaanlage künstlich gekühlt wurden. Unsere Kinder befanden sich stundenlang im Gefangenentransporter. Als es wärmer wurde und die Sonne auf den Transporter schien, wurde die Klimaanlage abgestellt.

Sie hörten, wie ein anderes Mädchen, daß sich in einer Zelle nebenan befand, einen Asthmaanfall erlitt, sie hörten, wie ein anderes Mädchen Stunden lang geschrien hat, daß sie auf Toilette mußte und sie hörten die Polizisten vor den Gefangenentransportern, die das Radio noch lauter machten und dabei Smalltalk hielten. Wollten die Beamten die Schreie und Hilferufe der anderen Kinder im Transporter nicht hören? Um die Schreie im Bus kümmerten sie sich, laut Gedächtnisprotokoll unserer Kinder, jedenfalls nicht.

Am späten Nachmittag wurden unsere Kinder, ohne Beisein eines Erziehungsberechtigten, verhört und es wurden Fingerabdrücke genommen. Ein eindeutiges Vergehen seitens der Polizei, da dies bei Minderjährigen nicht erlaubt ist. Irgendwann bekamen sie endlich etwas Wasser zu trinken. Mit Essen wurden sie nicht versorgt.

Wir erfuhren nach unzähligen Telefonaten, die wir den ganzen Tag über führten, erst am späten Nachmittag, wo sich unsere Kinder befinden. Vorher konnte uns laut Aussage der Polizei keine Auskunft darüber gegeben werden, ob sie unsere Kinder überhaupt gefangen hält, da die Personalien der festgenommenen Personen leider noch nicht aufgenommen wurden. Die Personalien werden im Normalfall unmittelbar nach der Gefangennahme aufgenommen, aber sei es drum…

Zwischen 18 und 19 Uhr wurden unserer Kinder von ihrem Opa abgeholt und in die Freiheit entlassen.

Ihnen wurde durch die Polizei eingeredet, daß sie eine Anzeige wegen schweren Landfriedensbruchs und Hausfriedensbruchs zu erwarten haben. Warum? Wegen einer friedlichen, gewaltfreien Sitzblockade vor dem Erfurter besetzten Haus.

Einige andere, minderjährige Personen, die an der friedlichen, gewaltfreien Sitzblockade vor dem besetzten Haus Erfurt teilnahmen, konnte man gestern auf der Erfurter Demo gut an ihren Halskrausen und Lädierungen im Gesicht erkennen, die sie seit dem 16.4.2009 schmücken. Das Urteil zu fällen, wer die wahren Chaoten sind, überlasse ich an dieser Stelle dem geneigten, intelligenten Leser.

Dem Polizist und seinen eventuell hier mitlesenden Kollegen, der meinem Sohn nachrief: “Denk mal darüber nach, was du deinen Eltern damit antust.” möchte ich nur antworten: “Unsere Kinder haben uns am 16.4.2009 sehr stolz gemacht. Nachgedacht werden muß in den nächsten Tagen an anderer Stelle. Schön wäre es gewesen, wenn das Nachdenken vor der Räumung geschehen wäre. Schön wäre es auch, wenn jeder Diener des Staates zumindest einmal während seiner Ausbildung das Wort “Verhältnismäßigkeit” definieren müßte.”

Offener Brief einer Mutter

Sehr geehrter Herr Polizeipräsident, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister der Stadt Erfurt!

Haben Sie Kinder? Kinder, die ihren Weg suchen in einer Gesellschaft, die es Jugendlichen immer schwerer macht, zukunftsoffen und gemeinschaftsorientiert auf die Suche zu gehen.

Ich erlebe immer mehr Jugendliche, die bereits von vorneherein resigniert haben, die keine Lernziele in der Schule annehmen oder anstreben, keine Ausbildung wollen, sich weder mit ihrer Zukunft, einem Leben in dieser Gesellschaft, geschweige denn einer Veränderung der für sie nicht annehmbaren sozialen Ordnung anstreben. Lethargisch und desorientiert lassen sie ihr noch nicht gelebtes Leben von vorneherein verrinnen, angekettet an Medien, die ihnen ein Scheinleben vorgaukeln, ausgeliefert den von der Gesellschaft produzierten Süchten, finanziert von Steuergeldern einer Generation, die damit ihre eigenen Zukunftsängste und schrecklichsten Visionen vom eigenen Alter produziert- nämlich irgendwann eben diesen eigenen Produkten ausgeliefert zu sein- unbarmherzig. Ein Teufelskreis.

Jetzt gerade, wo ich diese Gedanken niederschreibe, werden Jugendliche in Ihrer Stadt, mit Ihrer Erlaubnis und ausgeklügelten Planung, von unzähligen Sondereinheiten der Polizei aus dem ganzen Land, vom SEK gewaltsam ihrer Visionen beraubt.

Es sind Jugendliche, die bisher noch Zukunft buchstabiert haben, anders, als Sie es sich vielleicht wünschen und vorstellen können, anders auch, als vielleicht manche Bürgerinnen und Bürger, die sich mit ihrem Leben und der Gesellschaft arrangiert haben, es erwarten.

Doch: es sind Jugendliche, die Zusammenleben auf ihre Art erproben, die noch etwas wollen, die weder der allgemeinen und allumfassenden zerstörerischen Gier nach materiellen Gütern noch der andererseits um sich greifenden hilflosen Lethargie verfallen sind. Diese Jugendlichen haben vor 8 Jahren ein leerstehendes Haus, eine Industriebrache illegal besetzt und dort- aus dem Nichts heraus, einen Wohnort für Heimatlose, eine interkulturelle Gesellschaft für kulturlose, Halt für Ausgestoßenen, Lebensformen der Solidarität und des Miteinander und Füreinander Daseins für Entwurzelte entwickelt. Sie haben politische Arbeit geleistet, unselige Vergangenheit ( „Topf und Söhne“ ) aufgearbeitet und damit internationale Aufmerksamkeit und Zustimmung gefunden. Nichts, absolut nichts annährend Ähnliches kann unsere Gesellschaft ihnen bieten. Oder wissen Sie etwas ? Haben Sie Kinder, die auf der Suche sind?

Wie würde es Ihnen ergehen, wenn diese Kinder wie Schwerverbrecher, wie Terroristen, Bankräuber, Amokläufer behandelt werden, mit einem unglaublichen, unfassbaren Polizeieinsatz von dem Ort ihrer Träume mit höchster Gewalt und Bedrohung vertrieben werden.

Gewiss, sie haben dort illegal gelebt und gewirkt, gewiss, es ist auch nicht der Ort meiner Träume und sicher nicht der vieler Menschen, die ihren Platz im leben gefunden haben.

Wieso aber muss das, was nicht in UNSER Konzept passt, solcherart eleminiert werden?

Alle vorherige Lösungssuche empfand ich als nur einer Seite, nämlich der Ihrigen, entsprechend. Also Lösungen, die nicht zum Konsens führen können.

Wie nun weiter? Was, meinen Sie, geht in jungen Menschen vor, die solcherart behandelt werden?

Noch immer kreisen die Hubschrauber über dem Topf und Söhne Gelände, noch immer werden die vor dem Gelände Sitzenden einzeln abgeführt und in bereitstehende Polizeiwagen verladen, wie Schwerverbrecher, gezeichnet für immer.

Bilder nach dem Abriss

alles nur noch zum heulen…